Mehr als nur ein Schulkonzert: Wie ein Erfurter Gymnasium musikalisch Maßstäbe setzt

Mehr als nur ein Schulkonzert: Wie ein Erfurter Gymnasium musikalisch Maßstäbe setzt

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Über 200 Mitwirkende, ein Programm von Filmmusik bis Popklassikern und ein ausverkauft wirkender Saal in der Alten Oper: Das Sommerkonzert des Königin-Luise-Gymnasiums zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Engagement, Struktur und Begeisterung aufeinandertreffen.

Dabei ist das Gymnasium auf den ersten Blick keine ausgewiesene Talentschmiede. Es gibt keinen Spezialschulzweig Musik, kein besonderes Profil, das Schülerinnen und Schüler gezielt wegen ihrer musikalischen Begabung anzieht. Und doch entsteht hier seit 18 Jahren etwas, das weit über das hinausgeht, was man gemeinhin von schulischer Musikarbeit erwartet.

Der Grundstein wird früh gelegt: Bereits in den Klassenstufen 5 und 6 erlernen die Kinder im regulären Musikunterricht eines von 10 Instrumenten – von der Querflöte und Oboe über Euphonium bis hin zum Schlagwerk ist alles dabei, was ein Blasensemble benötigt. Was zunächst wie ein pädagogisches Konzept klingt, entwickelt sich schnell zur musikalischen Erfolgsgeschichte. Denn wer dabeibleibt, findet seinen Weg weiter: in die Juniorband und schließlich in das Sinfonische Jugendblasorchester. 

Das Konzert in der Alten Oper machte diese Entwicklung sichtbar – und hörbar. Von den jüngsten Nachwuchsmusikerinnen und -musikern bis zu den erfahrenen Ensemblemitgliedern spannt sich ein musikalischer Bogen, der sowohl die Entwicklung als auch die Qualität der Ausbildung eindrucksvoll abbildet.

Dabei gab es gleich zwei bemerkenswerte Premieren: Zum ersten Mal überhaupt stand auch die Bläserklasse 5 auf der Bühne eines solchen Konzerts – ein mutiger Schritt, der eindrucksvoll zeigte, wie viel die Jüngsten bereits nach kurzer Zeit leisten können. Und erstmals wurden die Blasensembles in dieser Form mit dem Schulchor zusammengeführt. Was zuvor nur in einzelnen Projekten erprobt wurde, erhielt hier eine neue, große Bühne – und funktionierte auf Anhieb.

Überhaupt ist die Vielfalt des Programms bemerkenswert: Filmmusik („Fluch der Karibik“, „How to Train Your Dragon“), Pop-Arrangements, Klassiker und überraschende Stücke wie das „Tetris Theme“ oder „Always Look on the Bright Side of Life“ wechseln sich ab. Der Schulchor überzeugt mit Energie und Ausdruck, das Sinfonische Jugendblasorchester mit Klangfülle und Präzision. Gemeinsam mit dem Universitätschor entsteht schließlich ein Klangkörper, der die Dimension eines reinen Schulkonzerts deutlich sprengt.

Dass solche Auftritte keine Ausnahme bleiben, zeigt der Blick in die vergangenen Jahre: Konzerte im Kaisersaal, in der Thomaskirche oder im Theater Erfurt gehören längst zur Geschichte der Ensembles. 

Doch wer hinter die Kulissen blickt, erkennt schnell: Dieser Erfolg ist kein Zufall. Seit mittlerweile 18 Jahren werden die musikalischen Strukturen kontinuierlich aufgebaut und gepflegt. Schulleitungen haben die Entwicklung unterstützt, Lehrkräfte Freiräume geschaffen – und die Ensembleleiter investieren weit mehr als das, was auf den ersten Blick sichtbar ist. Sie proben nicht nur regelmäßig, sondern bereiten Programme in ihrer Freizeit vor, arrangieren Stücke passend für die Besetzungen, organisieren Abläufe und begleiten die Schülerinnen und Schüler. Ohne dieses außergewöhnliche Engagement wäre das Niveau der Ensembles kaum denkbar.

Entscheidend ist jedoch auch das Engagement der Jugendlichen selbst: Sie investieren während Klassenarbeiten, Klausuren, BLF und Abitur zusätzlich Zeit in Proben, Probenfahrten und Auftritte, bringen Ausdauer, Disziplin und spürbare Freude am Musizieren mit – und tragen das Niveau der Ensembles damit aktiv mit. Ohne dieses Zusammenspiel wäre die Qualität kaum denkbar.

Im Hintergrund wirken zudem Strukturen, die das Ganze verlässlich tragen. Dazu gehört auch der Förderverein „Königin Luise macht Musik e.V.“, der viele organisatorische Aufgaben bündelt – von Instrumenten über Probenfahrten bis hin zu Rahmenbedingungen für Auftritte. Alles davon geschieht ehrenamtlich in der Freizeit und bleibt für das Publikum meist unsichtbar, ist aber ein wichtiger Teil dessen, was solche Konzerte erst möglich macht.

Und so bleibt nach diesem Abend vor allem ein Eindruck: Hier wächst etwas, das weit über einzelne Konzerte hinausgeht. Es ist das Ergebnis von Kontinuität, Teamarbeit und der Bereitschaft, jungen Menschen Verantwortung und Möglichkeiten zu geben.

Oder anders gesagt: ein ganz normales Gymnasium – an dem Jugend musikalisch Außergewöhnliches leistet.